:: Herr Schoen :: Where Are You Today?




Man kann HERRn SCHOEN sicher manches vorwerfen, eins aber wohl nicht: Untätigkeit. Sei es bei den Weserliedern, im BÜZ oder an vielen anderen Stellen: Wenn es in der Kulturszene etwas zu tun gibt, fängt ihn schon irgendjemand ein und schon ist er mit Rat und Tat dabei. Soweit so gut, aber: Musikalisch muss man ihm in den letzten Jahren schon eher eine gewisse Undercover-Fähigkeit attestieren ...

Lange ist es her, dass er mit MO‘ BOYZ DO IT BETTER oder WISHING WELL unterwegs war. Ab und zu taucht er mal bei der Open Stage im Bunker auf und dem Hörensagen nach beschallt er im Sommer abends im Garten seine Nachbarn mit der Flamencogitarre. Doch live macht er sich seit Jahren mehr oder weniger rar. Dabei erinnert man sich durchaus noch an zahlreiche Solo-Auftritte um die Jahrtausendwende, bei denen es auch mal etwas ruppiger zuging, denn so zart, wie viele seiner Songs eigentlich daher kommen, so ungestüm geht er gelegentlich live zu Werke, wenn es ihm in den Kopf kommt, auch solo statt standesgemäß mit der Akustikgitarre lieber mit seiner Fender Stratocaster und Verstärker auf die Bühne zu gehen.

Auch musikalisch lässt er sich ungern in eine Schublade packen. Wer ihn mit U2s Bono vergleicht, riskiert schon mal Leib und Seele, obwohl er zugibt, dass ihn Songs und Sounds der irischen Band genauso beeinflusst haben, wie ein David Bowie, Chris Whitley, aber eben auch die geniale Einfachheit des Gitarrenspiels eines Keith Richards. Seine eigenen - teils melancholischen - Balladen schreibt HERR SCHOEN den Gerüchten nach des Nächtens bei einer Flasche griechischem Wein, zornige Statements nach ausufernden Diskussionen mit BILD-Lesern. Der Rockmusiker in ihm fordert seinen Anteil am Gesamtwerk genauso wie die heimliche Liebe zu einer Prise Schmalz.

Nachdem sein letztes Band-Projekt „HERR SCHOEN UND SO“ vor vier Jahren erst einmal auf Eis gelegt wurde, ist er jüngst - auch für ihn selbst - überraschend wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Im Februar 2015 spielte er im Duett mit Jens Petersen einen ganzen Abend im Pfannkuchen-Stüble eigene und geklaute Lieder. Und irgendwann war sie dann da, die von Freunden und Fans lange erwartete Premiere eines griechischen Liedbeitrags. Dass er sich zu diesem Anlass statt eines „Hellas-Hits“ lieber einer für hiesige Ohren sicher etwas sperrigen Interpretation des Liedes „Petroperdika“ des kretischen „Rebellen-Urvaters“ Psarantonis bedient hat, passt ins Credo von HERRn SCHOEN: Erwartet nichts, dann bekommt ihr immer mehr, als ihr dachtet. Aha. Das ist natürlich pures Understatement. Denn auch, wenn der Ablauf eines Programmes bei ihm nie ganz klar ist, so doch etwas anderes:

Egal ob eigene oder geklaute Songs, er spielt sie auf seine eigene Art und Weise, mit voller Energie, 100% authentisch.

Also noch etwas, was man ihm nicht vorwerfen kann: Eine Münzeinwurf-Hitmaschine ist er nicht, der HERR SCHOEN.


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